10.05.2016 von Christina Drees & Maike Conrads

Vor ein paar Tagen fand zum zehnten Mal die re:publica in Berlin statt. Die Konferenz befasst sich mit Themen der digitalen Gesellschaft - es geht um Netzpolitik, Medien, Kultur und technologische Innovationen. Mit sechs KollegInnen waren wir an allen drei Tagen dabei und möchten hier ein paar unserer Eindrücke teilen.

Auf 17 Bühnen gab es über 500 Stunden Programm für mehr als 8.000 TeilnehmerInnen. Fast alle Vorträge wurden aufgezeichnet und können auf den Seiten der re:publica angeschaut werden. Von den zahlreichen Vorträgen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten, die wir besucht haben, haben uns diese besonders gut gefallen:

Designing Humanity

John Fass über ethische und moralische Verantwortung im Interface Design und wie Technologie unsere Identität formt. Von Wetterkarten bis hin zu Bewegungs-Trackern, unsere Interaktionen auf digitaler Ebene beeinflussen die Wahrnehmung unserer Umwelt.

The Courage of Compassion

Heater Armstrong, die "Queen of the Mommy Bloggers", bloggt seit mehr als zehn Jahren über ihr Familienleben und hat mehr als 1.5 Mio Follower bei Twitter. Mit ihrem Blog dooce.com hat sie einige Preise gewonnen. Zusätzlich berät sie Unternehmen bei Online-Kampagnen und spricht auf vielen Konferenzen. Auf der re:publica berichtete sie über ihre Art, mit Kritik und Hasskommentaren umzugehen. Ihre Session steht online zur Verfügung.

Virtuell & digital sind real - Wie digitale Interaktionen stattfinden und uns verändern

Dong-Seon Chang, Neurowissenschaftler am Max-Planck-Institut, referiert über die Evolution der Intelligenz, die im sozialen Gehirn mündet bzw. wie unser Gehirn Interaktion wahrnimmt. Die Interpretation dessen, was genau jedes Gehirn meint zu erkennen, hängt von den gemachten Erfahrungen ab. Als Beispiel zeigt er die Fotos von Kandidatinnen einer Miss-Wahl in Deutschland und Südkorea. Für Europäer sehen die südkoreanische Frauen alle gleich aus und den Südkoreanern geht es mit den deutschen Frauen genauso.

Nicht die Größe des Gehirns ist dabei relevant, sondern die Größe des Neocortex. Untersuchungen haben ergeben, dass die Größe des sozialen Netzwerks mit der Größe des Neocortex korreliert. Der Mensch ist in der Lage mit ca. 150 Menschen über längere Zeit Kontakt zu halten.
Heutzutage ist Onlinezeit oft gleichbedeutend mit Social-Media-Zeit. Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen real und digital. Als Avatar wählen wir oft welche, die uns ähnlich sind. Der Proteus-Effekt besagt, dass das Verhalten eines Nutzers in der virtuellen Welt von seinem Avatar abhängt. Sie verhalten sich so wie sie glauben, das andere es erwarten.

Ein Unterschied zwischen real und digital zeigt sich beim Lernen. Chang berichtet aus einer Studie, die zeigt, dass Kinder bei einer realen Person an der Tafel deutlich besser lernen, als wenn sie den selben Inhalt am Computer konsumieren. Allerdings zeigt die Studie auch, dass bereits die Anwesenheit anderer Personen das Lernen vor dem Monitor erfolgreicher macht.
Die Session ist als Videomitschnitt noch nicht verfügbar, kommt aber bestimmt noch.

Nichts als die „Wahrheit“ - Warum Lügengeschichten so gut funktionieren.

Ingrid Brodnig über die Reise einer Lügengeschichte - wie aus einer Meldung über Brandanschläge auf ein Flüchtlingsheim ein Bürgerkrieg in Schweden wurde - die Echokammer, die beschreibt, dass Menschen in sozialen Netzwerken dazu neigen, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben und sich dabei gegenseitig in der eigenen Position zu verstärken. Und wie man gezielter gegen Hass im Netz vorgehen kann, in dem man zum Beispiel auf die Formulierung der Richtigstellung achtet und nicht über eine Verneinung der fehlerhaften Meldung, diese erneut im Netz verbreitet.
Die komplette Session ist als Videomitschnitt veröffentlicht worden.

DIY Workshop "Create Professional Video Content w/ your Smartphone"

Sebastian Schütz stellte Tipps, Tricks, Tools & Apps vor mithilfe derer man selbst mit dem Smartphone Videos produzieren kann.

Hier eine kleine Liste mit Basics, die es bei einem Videodreh zu berückichtigen gilt:

  • Five-Shot-Regel beachten "was - wer- warum- wie -wo"
  • stabilen Untergrund wählen und keine schnellen Bewegungen machen
  • ruhigen Drehort wählen
  • Gegenlicht vermeiden
  • nah rangehen
  • lieber im Querformat drehen (außer bei Snapchat), um den zur Verfügung stehenden Raum besser zu nutzen
  • bei einer Interview-Situation den Protagonisten nicht aus dem Bild rausschauen lassen
  • Clips mehrfach drehen

Weitere Informationen zu dem Talk gibt es auf der re:publica-Seite.

Die AutorInnen

Maike Conrads
Seit fünf Jahren arbeite ich in verschiedenen Rollen bei neuland. Mich bewegen vor allem die Themen Selbstorganisation, Mitarbeiterentwicklung, Visualisierung und Agiles Arbeiten.